BOINC Central ist anders als die bisherigen Projekte in dieser Reihe: Es betreibt keine eigene Forschungsfrage, sondern stellt Wissenschaftler*innen ohne eigene Server-Infrastruktur den Zugang zu freiwilliger Rechenleistung bereit – betrieben direkt vom BOINC-Team der UC Berkeley.
BOINC Central ging am 26. November 2021 online und wird direkt vom BOINC-Team der University of California, Berkeley betrieben – unter der Leitung von David P. Anderson, dem Initiator von BOINC selbst. Anders als bei Einstein@Home, LHC@home oder World Community Grid steht dahinter keine einzelne Forschungseinrichtung mit einer eigenen wissenschaftlichen Fragestellung.
Stattdessen löst BOINC Central ein ganz anderes Problem: Eine eigene BOINC-Infrastruktur aufzubauen und zu betreiben, ist aufwendig und braucht Geld sowie technisches Personal – Ressourcen, die viele Forschende gerade nicht haben, besonders wenn ihr Rechenbedarf nur gelegentlich anfällt. BOINC Central übernimmt Serverbetrieb und Webseite zentral, sodass einzelne Wissenschaftler*innen ihre Rechenaufgaben einreichen können, ohne selbst ein BOINC-Projekt aufzusetzen oder überhaupt tiefere BOINC-Kenntnisse zu benötigen.
Weil BOINC Central als gemeinsame Infrastruktur für unterschiedliche Forschende gedacht ist, ist die Liste der unterstützten Anwendungen bewusst offen gehalten:
Die erste und namhafteste unterstützte Anwendung, ursprünglich vom Scripps Research Institute: eine weitverbreitete Open-Source-Software für molekulares Docking und virtuelles Screening potenzieller Wirkstoffkandidaten.
Ein Beispiel für die Art kleiner, unabhängiger Forschungsprojekte, die BOINC Central ermöglicht: eine kombinatorische Suche, die im Mai 2025 einen Meilenstein erreichte – der Suchraum für einen bestimmten Parameterbereich wurde vollständig durchsucht, mit über 37 Billiarden erzeugten Ketten.
Mittlerweile akzeptiert BOINC Central grundsätzlich beliebige wissenschaftliche Anwendungspakete – die Liste der unterstützten Projekte kann also wachsen, je nachdem, wer sich als Forschende oder Forschender meldet.
Auf der ersten Seite dieser Reihe stand: BOINC ist die Plattform, die einzelnen Projekte sind die Anwendungsfälle darauf. Institutionen wie CERN, das Max-Planck-Institut oder das Rensselaer Polytechnic Institute haben dafür jeweils eigene BOINC-Projekt-Server aufgebaut. BOINC Central schließt die Lücke für alle, die das nicht können oder wollen: eine von der BOINC-Organisation selbst betriebene, geteilte Infrastruktur.
Für Freiwillige bedeutet das: Wer BOINC Central unterstützt, hilft nicht nur einem einzelnen Forschungsteam, sondern potenziell vielen verschiedenen, oft kleineren wissenschaftlichen Vorhaben gleichzeitig – je nachdem, welche Anwendungen gerade Rechenzeit benötigen.
Das war BOINC Central – geteilte Infrastruktur für Forschende ohne eigenen Server. Im nächsten Teil dieser Seite geht es um ein weiteres BOINC-Projekt, an dem ich mich beteilige.